Praxisprojekte

Praxisprojekte sind die „Königsdisziplin“ im sechsten Fachsemester: In kleinen Teams von zwei bis vier Studierenden werden Projektthemen bearbeitet. Neben der fachlichen Aufgabenstellung gilt es somit, auch Gruppendynamiken zweckorientiert zu meistern. Der Grundgedanke ist, sehr berufsnah und selbständig Projekte in Absprache mit den Projektpartnern zu entwickeln. Die Betreuung erfolgt durch einen der Professoren des Studiengangs.

Die Projektthemen ergeben sich aus dem Studentischen Praxissemester oder werden von anderen Museen, Institutionen, Vereinen an den Studiengang herangetragen. Wie weit gefächert sie sein können, mit welchen Projektpartnern operiert wird, zeigt die folgende Liste der Praxisprojekte aus dem letzten Sommersemester.

Praxisprojekte 2017

Bearbeitung einer Plakatsammlung im Angermuseum Erfurt

Aufgabe des Praxisprojektes ist es, eine Plakatsammlung mit original-grafischen Plakaten sowie Offsetdrucken in die bereits bestehende Grafiksammlung zu integrieren. Dazu gehören die Inventarisierung der Plakate, die systematische Ordnung und die Eintragung in die Datenbank. Ebenso soll eine angemessene Lagerung der Plakate im Grafikdepot durchgeführt werden.
Betreuung: Prof. Dr. Johannes Tripps

Inventarisierung von Ofenkacheln im Ludwig-Suermondt-Museum Aachen

Die historische, kulturhistorische und kunstgeschichtliche Gesamtsammlung der Stadt Aachen und die Ludwig-Stiftung Aachen verfügen zusammen über etwa 55 gusseiserne Platten (Taken-, Kamin- und Ofenplatten) vom 15. bis zum 19. Jahrhundert. Darunter befinden sich teils Unikate spätmittelalterlicher und Renaissance-Stücke mit Rankenfüllungen und solche mit Wappen und Heiligenfiguren. Einzigartig ist die Platte der Ludwig-Stiftung mit Engeln, die das Wappen der Stadt Aachen halten (Ende 15. Jahrhundert). Beide Sammlungen haben Platten aus den großen Zentren im Bestand, also aus der Eifel, aus Hessen, Luxemburg, den Niederlanden und der Wallonie. Die Erfassung aller Platten dient der Erarbeitung eines Bestandskataloges.
Betreuung: Prof. Dr. Johannes Tripps

Inventarisierung von Graphikbeständen im Museum der Bildenden Künste Leipzig

Der Bestand der graphischen Sammlung des Museums der bildenden Künste in Leipzig soll mit MuseumPlus neu inventarisiert werden. Im Zusammenhang mit der Einführung des neuen kommunalen Finanzmanagements bei der Stadt Leipzig 2010/11 wurden sämtliche Kunstwerke zum Teil nur mit einer Notinventarisierung elektronisch erfasst. Das betrifft vor allem sämtliche druckgraphische Mappenwerke in der Graphischen Sammlung mit etwa 3500 Blättern (19. bis 21. Jahrhundert). Die Einträge für diese Blätter in MuseumPlus wären am Original mithilfe der handschriftlichen Inventare bzw. alter Karteikarten, Archivalien und Bibliotheksrecherche umfänglich zu korrigieren und zu ergänzen. Dies betrifft sowohl die Informationen zu den Künstlern als auch zu den Techniken, Materialien und der Provenienz.
Betreuung: Dr. Winfried Bergmeyer

Dokumentarische Aufarbeitung von Fundgut einer Grabung des Landesamtes für Archäologie Sachsen in Leipzig

Bei Ausgrabungen des Landesamtes für Archäologie Sachsen (LfA) wurde auf dem Grundstück Grimmaische Straße 22 die Verfüllung einer Grube (Latrine) geborgen. In der oberen Schicht fanden sich zahlreiche Apothekergefäße des 19. Jahrhunderts, in der Verfüllung darunter Objekte des 17. Jahrhunderts, die vermutlich ebenfalls in Zusammenhang mit einer Apotheke stehen. Unter den Funden befinden sich zahlreiche Gläser, Gefäße zur Salbenherstellung, einzelne Fayencescherben etc. Diese Objekte sind im Einzelnen noch unbearbeitet. Sie sollen hinsichtlich Material, Zeit- und Herstellungstechnik bestimmt, aber auch in Bezug auf ihre konkrete Nutzung analysiert werden. Gewünscht sind das Aufzeigen von Vergleichsfunden und die Beurteilung des Gesamtkonvolutes in Hinsicht auf seine kulturgeschichtliche Bedeutung und Aussagekraft.
Betreuung: Dr. Winfried Bergmeyer

Aktualisierung, inhaltliche Vertiefung und technische Bearbeitung der Datenbank für die Realiensammlung des Studiengangs Museologie

Die aktuelle Datenbank für die Sammlung des Studienganges Museologie bedarf einer inhaltlichen wie technischen Revision und Weiterentwicklung. Im Rahmen des Praxisprojektes sollen die vorhandenen, korrekten Einträge in der alten Datenbank identifiziert und in eine neue Datenbank exportiert werden. Die vorhandenen Datensätze sollen zudem hinsichtlich der terminologischen Kontrolle untersucht und verbessert, neue Objekte erfasst werden. Zudem geht es darum, die fehlenden Abbildungen zu ergänzen, die als separate Bilddateien vorliegen – das neue Medienmodul von AdLib kann dabei Verwendung finden.
Betreuung: Dr. Winfried Bergmeyer / Prof. Dr. Johannes Tripps

Normdaten für Videospielsysteme

Gemeinschaftsprojekt mit der Fakultät Informatik, Mathematik und Naturwissenschaften (FIMN) / Studien-gang Medieninformatik.

Weltweit entstehen zurzeit in Museen und Bibliotheken Datenbanken für Computerspielsammlungen. Dringend werden Normdaten für Systeme/Plattformen benötigt. Perspektivisch sollen die Videospielsysteme Teil eines umfassender angelegten internationalen Projektes mit Normdaten zu Personen, Hardware und Spielen werden. Im Rahmen des Praxisprojekts soll zunächst geklärt werden, zu welchen Zwecken diese Normdaten in der Dokumentation Verwendung finden können. Im nächsten Schritt sollen auf Basis dieser Erkenntnisse die inhaltlichen Festlegungen erfolgen, das heißt, welche Informationen werden benötigt. Dazu gehört auch die Frage nach Multilingualität, Polyhierarchien und Beziehungsstrukturen. Weiterhin sind Informationsquellen und bestehende Normdatensysteme zu identifizieren, die für das Projekt herangezogen werden sollen. Falls möglich (das heißt, das groß angelegte, internationale Projekt ist technisch weit genug umgesetzt), wäre es anzustreben, am Ende des Projektes die Nutzung beispielhaft an der Datenbank des Computerspielemuseums zu veranschaulichen. Für die Studierenden der Fakultät IMN soll der Projektanteil vor allem in der Auswahl und Bereitstellung der geeigneten Softwareplattform bestehen, die entsprechend des mit den Museologen erarbeiteten Konzeptes vorbereitet wird. Technische Eckpunkte sind dabei die Bereitstellung einer API, um die Informationen als RDF abrufen und in Dokumentationssysteme zu integrieren. Der Austausch der Studierenden von Museologie und IMN soll dabei möglichst intensiv erfolgen, da inhaltliches und technisches Konzept die Grundlage der Umsetzung bilden.
Betreuung: Dr. Winfried Bergmeyer (für Medieninformatik: Prof. Dr. Thomas Riechert)

Aufbau einer Sammlungsdatenbank für ein zukünftiges Robotron-Museum

Am Sitz des Unternehmens Robotron in Dresden soll im Laufe des nächsten Jahres ein Museum in den Neubau integriert werden. Zu diesem Zweck muss die Sammlung der Rechentechnik des Unternehmens inventarisiert, sollen zudem Interviews für die spätere Präsentation erstellt werden. Beides ist Aufgabe des Praxisprojektes, wobei die Software an die Aspekte der Rechentechnik angepasst werden muss. Als ein weiterer Aspekt soll die Integration von bestehenden Computermuseen überlegt werden, um sammlungsübergreifende Recherchen bzw. ein Datenmapping durchführen zu können. Die Interviews sind mittels des Interview-Moduls von Daphne zu dokumentieren.
Betreuung: Dr. Winfried Bergmeyer

Sammlungsdokumentation und Magazinierung für das Museum Erika-Fuchs-Haus, Schwarzenbach an der Saale

Das Erika-Fuchs-Haus | Museum für Comic und Sprachkunst ist eine Neugründung am langjährigen Wohnsitz der Disney-Comic-Übersetzerin Dr. Erika Fuchs. Das Museum befindet sich in vielen Feldern der Museumsarbeit immer noch am Anfang. Grundstock an Musealien bildet die Schenkung einer Sammlung von rund 3.000 Dingen rund um die Comic-Bevölkerung von Entenhausen, hinzukommen ebenso viele Druckwerke. Projektaufgabe ist die Fortführung der als studentisches Projekt 2014 begonnenen Dokumentation, einschließlich Fotografie und fachgerechter Verpackung. Weitere Depotarbeiten können hinzukommen.
Betreuung: Prof. Dr. Dr. Markus Walz

Entwicklungskonzept für das Bauernmuseum Zabeltitz

Die sächsische Kleinstadt Großenhain verfügt, neben einem stadtgeschichtlichen Museum in der Altstadt, in ihrem ländlich gelegenen Ortsteil Zabeltitz über das Bauernmuseum: Ein historischer Dreiseithof stellt in der Art eines Freilichtmuseums agrarisches Leben und Arbeiten der Vergangenheit vor; über die Veranschaulichung und typische Möblierung hinaus existieren weitere magazinierte Sammlungen. Zurzeit wird das Bauernmuseum als sommersaisonaler Besichtigungsbetrieb mit einzelnen Aktionstagen, aber auch mit der Bespielung einer Wechselausstellungsfläche geführt. Der Status quo ist in verschiedener Hinsicht unbefriedigend. Aufgabe dieses Praxisprojekts ist es, zwei unterscheidbare Entwicklungsziele für das Bauernmuseum Zabeltitz auszuarbeiten, anhand derer Entscheidungsverläufe der Stadtverwaltung vorbereitet werden können. Vorbereitende Bausteine hierfür sind eine strukturierende, akzentuierende Bestandssichtung der Sammlungen, eine Konkurrenzanalyse der derzeitigen Angebotsstruktur und eine Abschätzung der Nachfragevolumina für mögliche Entwicklungsziele.
Betreuung: Prof. Dr. Dr. Markus Walz

Entwicklung einer virtuellen Ausstellung zur Leipziger Industrie- und Gewerbeausstellung von 1897

Virtuelle Ausstellungen sind seit langem von großer Bedeutung für Museen und Archive – nicht zuletzt, weil sie die Präsentation von Themen über längere Zeiträume und ortsungebunden ermöglichen. Zum Jubiläum der Sächsisch-Thüringischen Industrie- und Gewerbeausstellung soll eine solche Ausstellung entwickelt werden: Diese umfassende Leistungsschau Mitteldeutschlands, verbunden mit einem hohen Anteil an populärer Unterhaltung, wurde 1897 in Leipzig präsentiert – nicht zufälligerweise in diesem Jahr, dem 400. Jahrestag der Verleihung des Messeprivilegs für die Stadt Leipzig. 2017 soll in vielfältiger Weise an eine der bekanntesten Gewerbeausstellungen im mitteldeutschen Raum erinnert werden; unter anderem ist eine Ausstellungspräsentation im Sächsischen Wirtschaftsarchiv (SWA) fest eingeplant. Aufgrund der beachtlichen Überlieferung im SWA, im Stadtarchiv und -museum sowie in Privatbesitz soll aber auch eine größere Öffentlichkeit und nachhaltige „Verwertung“ erreicht werden. Aufgabe des Praxisprojekts ist es in diesem Sinne, zu diesem Themenkomplex der Stadt- wie Regionalgeschichte und Industriekultur ein Inhaltskonzept für eine virtuelle Ausstellung zu entwickeln. 
Betreuung: Prof. Dr. Gisela Weiß

Informationsausstellung „Ferropolis“ Neukonzept und Realisierungsentwurf

Ferropolis ist ein hochrangiges Industrie-Baudenkmal in Gräfenhainichen, das als Besichtigungsbetrieb und Veranstaltungszentrum betrieben wird. Als ein Baustein befindet sich in der ehemaligen Trafostation eine Dauerausstellung, die überwiegend aus Text- und Bildtafeln sowie aus einigen Vitrinenpräsentationen, wenigen Inszenierungen von Arbeitsplätzen sowie einer Halle mit tagebautechnischen Anschauungsmodellen besteht. Die Text- und Bildtafeln haben ihre Haltbarkeitsgrenze erreicht und entsprechen gegenwärtigen Ansprüchen hinsichtlich der Gestaltung wie der Besichtigungsattraktivität nicht. Aufgabe der Projektgruppe ist 1. Erarbeitung eines neuen Grobkonzepts (grundlegende Informationsstruktur, Reihenfolge und Platzierung von Themen im Gebäude, Zuordnung von Exponaten, Bestimmung von optischen Akzenten im Besichtigungsrundgang)
2. inhaltliche und gestalterische Überarbeitung des Text- und Bildbestands, Erstellung eines - mit begrenztem Budget - realisierungsreifen Entwurfs.
Betreuung: Prof. Dr. Markus Walz

Webpräsenz des Studiengangs Museologie Fortentwicklung und Realisation

Werbe- und Öffentlichkeitsarbeit spielen für Museen eine wichtige Rolle, aber auch für Studiengänge. Sie dienen in beiden Fällen der Werbung und Information und müssen in der sich schnell wandelnden digitalen Informationsgesellschaft immer wieder neu überdacht und „relauncht“ werden. Eine solche Überprüfung und Aktualisierung wird für den Studiengang Museologie sukzessive umgesetzt. Aufgabe des Praxisprojektes ist es, die aktuelle Neukonzipierung weiter zu entwickeln und zugleich weiter zu realisieren. Dabei sollen die Inhalte medienadäquat aufbereitet und mit dem Content Management System Typo 3 eingepflegt werden. Das Projekt umfasst ebenso das Erstellen von geeigneten Fotos und die Kontaktaufnahme zu Alumnis wie Kommilitonen, die im Sommersemester Projekte realisieren. Deshalb eignet sich das Projekt insbesondere für Studierende, die das Praxisprojekt vor allem während der Vorlesungszeit angehen möchten. Wünschenswert wäre die weitere Pflege der Facebook-Seite. 
Betreuung: Prof. Dr. Gisela Weiß