Geschichte der Museologie in Leipzig

Museumsbeamtenschule 
Mitteldeutschland ist die Initiativregion für museumsspezifische Qualifikationen: Die Praxis, Museumsleitungen an Universitätsabsolventen zu vergeben, ist in Deutschland erst einige Jahrzehnte allgemein üblich, als erste Überlegungen angestellt werden, die Leitungskräfte von museumsspezifischen Alltagsaufgaben, speziell in der Sammlungserschließung, zu entlasten. 1915 entsteht in Leipzig die Deutsche Bibliothekars- und Museumsbeamtenschule; erster Schulleiter ist in Personalunion der Direktor des Deutschen Buchgewerbe- und Schriftmuseums, Leipzig. Die Ausbildung von "Museumsbeamten" etabliert sich nicht dauerhaft; die Institution wechselt 1917 zur Bezeichnung "Deutsche Bibliothekarsschule".

Lehrgang für Museumskundler
1951 unternimmt die Thüringische Landesstelle für Museumspflege, Weimar, einen neuen Anlauf mit einem zweijährigen Lehrgang für Beschäftigte in Heimatmuseen. Die Absolventinnen und Absolventen erhalten die Berufsbezeichnung "Museumskundler". Die Fachstelle von Sachsen-Anhalt, Halle (Saale), wird als Fachstelle für Heimatmuseen der DDR fortgeführt; sie erweitert den Thüringer Gedanken dazu, eine zentrale Ausbildung für "mittlere Kader" in Heimatmuseen zu schaffen, da die Zahl der Universitätsabsolventen nicht ausreicht. Diese Initiative findet 1954 die Zustimmung des neu gegründeten Kulturministeriums.

Fachschule für Museumsassistenten
Damit tritt die Vorgängereinrichtung des HTWK-Studiengangs Museologie ins Leben: Zum 1. September 1954 nimmt die "Fachschule für Museumsassistenten" in Köthen (Anhalt) ihren Betrieb auf. Sie wird bereits 1956 nach Schloss Neu-Augustusburg in Weißenfels verlegt und 1957 in "Fachschule für Heimatmuseen" umbenannt. Die Absolventinnen und Absolventen erhalten anfangs die Berufsbezeichnung "Museumsassistent". Da das Kunstwort "Musear" (in Anlehnung an Archivar, Bibliothekar) keinen Anklang findet, lautet die Berufsbezeichnung seit 1957 "Museologe". Analog zur Sammlungsstruktur von Orts- und Regionalmuseen bietet die Fachschule die Fachrichtungen Geschichte und Biologie/Geologie an. Die Praktikumszeit der Studierenden (dreimal acht Wochen) füllt sich für die Lehrkräfte mit zusätzlichen "Sonderlehrgängen": Nachschulungen von nicht qualifiziertem Museumspersonal, die ebenfalls mit dem Museologen-Examen abschließen. 1957/58 kommt es zu internen Auseinandersetzungen zwischen linientreuen und als "parteifeindlich" eingeschätzten Lehrkräften, infolgedessen zu Entlassungen und Personalknappheit. 1958/59 werden keine neuen Studierenden aufgenommen, dafür ergeben sich vorübergehende Zusatzaufgaben (Qualifikation von Zoo-Tierpflegern und zoologischen Fachverkäufern). Die Schließung der Fachschule wird wegen der anhaltenden Nachfrage nach Absolventinnen und Absolventen nicht durchgesetzt. Der Lehrplan ruht, neben den einheitlichen Lehrstoffen aller Fachschulen, auf vier Säulen: "Museumskunde" informiert über die Museumsgeschichte und befähigt insbesondere zur Dokumentation, Verwaltung und Handhabung von Musealien; "Kulturgeschichte" bietet Kenntnisse zur Objektbestimmung (Kunst-, Produktions-, Technikgeschichte). "Allgemeine Pädagogik" soll zur "kulturellen Massenarbeit" befähigen. Je nach Studienrichtung kommt Geschichte oder Biologie / Geologie / Geographie als vierte Thematik hinzu.

Fachschule für Museologen 
Nach einer kurzen Zeit in Meißen-Siebeneichen (1964 - 66) verlegt die Fachschule für Heimatmuseen 1966 ihren Sitz nach Leipzig, zunächst in Räume der Musikhochschule. Der Name wird - analog zur Berufsbezeichnung - zu "Fachschule für Museologen" verändert. Erst 1977 kann ein eigenes Dienstgebäude bezogen werden, die ehemalige Villa des Leipziger Architekten Oskar Mothes (Käthe-Kollwitz-Straße 70). Der Lehrplan wird mehrfach ergänzt (1967 um "Kulturtheorie und Kulturpolitik" sowie die Theorie der Museologie; 1978 um Sammlungstheorie, Prinzipien der Konservierung und ein Grabungspraktikum). Seit 1967 ersetzt "Geschichte der Naturwissenschaft und der Technik" die bisherige naturkundliche Fachrichtung.

Diplomstudiengang Museologie
Die ungewisse Fortexistenz nach dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland legt eine neue Selbstbezeichnung der Fachschule als "Institut für Museologie" nahe. Aus ihm und zwei weiteren Fachschulen wird mit Gründung der HTWK Leipzig 1992 dessen "Fachbereich Buch und Museum" mit einem Studiengang Museologie geschaffen. 1994 verlassen die ersten "Diplom-Museologinnen (FH)" und "Diplom-Museologen (FH)" die Villa Mothes. Absolventinnen und Absolventen der Fachschule erhalten in den folgenden Jahren Gelegenheit, fehlende Kenntnisse durch "Brückenkurse" zu ergänzen und so zur Umwandlung ihrer Berufsbezeichnung "Museologe" in diesen akademischen Abschluss zu gelangen. Februar 2002 bezieht der Fachbereich Buch und Museum einen gemeinsamen Dienstsitz an der Karl-Liebknecht-Straße 145; durch Fusion mit dem Fachbereich Polygrafische Technik gehört Museologie seit 2006 zum Fachbereich Medien.

Bachelorstudiengang Museologie
Als erster der seinerzeit sechs Studiengänge des Fachbereichs Medien wechselt Museologie mit dem Wintersemester 2007/08 vom Diplom- zum Bachelorabschluss. Die Studienreform bringt eine klarere Fokussierung des Gegenstandsbereichs auf "bewegliche Kulturgüter aus Mitteleuropa seit dem Spätmittelalter", folglich die Streichung des Grabungspraktikums und der Lehrveranstaltung zur Geologie/Paläontologie. Im Zuge der notwendigen Modularisierung werden erstmals alle Studieninhalte einem von sechs Themenfeldern zugeordnet. Es zeigt sich jedoch deutliche Kontinuität in allen beruflich befähigenden Inhalten sowie in der Betonung des Aufgabenbereichs der Dokumentation und Sammlungsverwaltung im Museum.